Volkers Regelecke (7) mal ohne Regeln zur Entspannung

24.06.2019 | Daniel Schlüter | Kategorie(n): Club, Regeln

Golfersprache entschlüsselt

Ich weiß nicht, ob euch eigentlich vollkommen bewusst ist, dass ihr beim Golfspiel teilweise mit einer eigenen Sprache kommuniziert, die sonst keine S_ _ verstehen würde. Hier ein paar Beispiele, die mir gerade wie Schuppen von den Haaren fallen.

 

„Schönes Spiel“

Dieser Spruch ereignet sich traditionell auf dem ersten Abschlag bei Beginn einer Runde. Nicht unüblich ist für die versammelten Mitspieler die einfallsarme wörtliche Wiederholung dieses Spruchs als Standardantwort.

Dahinter verbirgt sich der Wunsch eines jeden Spielers, sein eigenes Spiel möge endlich mal wieder erfolgreich verlaufen und sich für alle Anderen deutlich sichtbar von dem Gehacke der letzten Runden angenehm unterscheiden. Es wäre allerdings realitätsfern anzunehmen, dass damit auch die Absicht verbunden sei, den Mitspielern eine ähnlich erfolgreiche Runde zu wünschen.

 

„Was spielst du?“

Die offensichtliche Antwort:“Golf“ ist hiermit weder gefragt noch in Frage gestellt, denn der typische Golfer ist die pure Höflichkeit. Vielmehr soll sich der Befragte, alles natürlich im Rahmen des Datenschutzes, zur Marke und Nummer seines Balls äußern, den er in der Folge zu bearbeiten gedenkt, um Verwechslungen zu vermeiden (Stichwort: falscher Ball!) und um die drohende Suche zu beschleunigen.

 

„Soll ich schon mal?“

Üblicherweise würde das Auslassen des notwendigen Tu-Worts die Fantasie beflügeln („..meine Frau  anrufen“ oder „..meine Notdurft verrichten“ oder „..die Klappe halten“), gemeint ist aber unmissverständlich „..meinen nächsten Schlag machen, auch wenn ich nicht dran bin“, welches könnte zwar ein Verstoß gegen die Einhaltung der Spielfolge sein, bleibt aber straffrei und nützt dem Spieltempo im Sinne von Ready Golf.

 

„Wo liegst du?“ „Ich bin im Bunker“

Eine absurde Unterhaltung angesichts der Tatsache des in unmittelbarer Nähe stehenden Befragten. Die Frage zielt auch nicht etwa auf den Liegeplatz im warmen Sand, den die einheimischen Tiere so lieben. Hier wird eindeutig das Motto verwendet: Sagen Sie nicht, wo Ihr Ball liegt, sagen Sie einfach, wo Sie liegen.

 

„Hassihn?“

Das Golfspiel umfasst ein weites Spektrum an notwendigen Talenten, denn es geht nicht nur um Ball spielen, sondern zu oft auch um Ball suchen und vor allem um Ball finden.

Bevor ich meine begrenzte Energie in das unnütze Suchen nach einem gegnerischen Ball im dichten Fichtendickicht verschwende, bietet dieser Ausdruck außerhalb des Dudens die Möglichkeit, meine Suchaktion schnell zu beenden oder gar nicht erst ins Auge zu fassen.

 

„Na, wie war’s?“ Hör auf!“

Eine absolut unfaire Frage nach Beendigung der Runde, die keinen Zweifel an deren vom Spieler empfundenen Qualität offenlässt. Allerdings bleibt unklar, ob der Befragte mit dem Gedanken spielt, ganz mit Golf aufzuhören, im Sinne von „ich hör auf“, oder eher den Fragesteller zum Teufel wünscht, im Sinne von „hör du auf“.

 

Volker Uthoff