Interview mit unserem 2. Vorsitzenden – Dr. Erik Ballauff

06.03.2015 | Nils Scheller | Kategorie(n): Club

Dr. Erik Ballauff ist 2. Vorsitzender im neuen Vorstand des Golf Club An der Pinnau. Er ist dort verantwortlich für den Platz und steht seit Oktober in engem Austausch mit dem Greenkeeping.
Golf ist seit über 30 Jahren die Passion des 52 Jahre alten Kaufmanns aus Hamburg. Er selbst spielt häufig, allerdings in den letzten Jahren nur wenige Turniere. Diese dauern ihm oft zu lange, weshalb er den Trend zu mehr 9-Loch Turnieren gut findet und unterstützt.

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Wie kamen sie dazu, für das Thema Platz im neuen Vorstand verantwortlich zu sein?
Grünzeug interessiert mich einfach. Meine zwei Söhne sagen oft im Spaß, ich sei ein Naturspinner. Ich bin begeisterter Gärtner und Jäger – ich liebe Pflanzen und Tiere. Beim Golfplatz verbindet sich das. Ich kenne jeden Baum an der Pinnau mit Namen. Schließlich bin ich seit Anfang an dabei. Der Club hat mir über die Jahre soviel gegeben, dass es an der Zeit ist, dass ich etwas zurückgebe.

Golf & Natur ist ein großes Thema für Golfclubs. Die Pinnau hat gerade die Auszeichnung Gold erhalten. Was war dafür nötig?
Wir sind sehr stolz auf das Gold-Zertifikat, welches wir gerade vom DGV verliehen bekommen haben. Ich koordiniere das Projekt bei uns im Club.
Wir haben die Bronze- und Silberzertifizierungen in 2007 und 2010 gemacht. Die Anforderungen für Gold in den Bereichen Pflanzenschutz und Arbeitsschutz sowie im Umwelt-Bereich sind wesentlich höher. Ein vom DGV beauftragter Prüfer der Deutschen Gesellschaft für Qualitätssicherung hat uns bescheinigt, dass wir diese voll und ganz erfüllen.
Golfplätze bieten eine gute Möglichkeit, Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schaffen, wie es in der normalen Landwirtschaft gar nicht mehr möglich ist. Wir sehen das als gesellschaftliche Aufgabe und es ist eine Möglichkeit, den Golfsport positiv darzustellen. Auch gegenüber den Behörden, die uns nicht immer freundlich gesinnt sind.
Ich kann Ihnen ein paar Beispiele nennen: An der A4 wird ein Blühstreifen als Insektennahrung entstehen. Bienenhaltung ist auch in Vorbereitung. Ich habe zuhause selbst Bienen, aber an der Pinnau wollen wir das an einen Imker vergeben. Wir haben schon viele Vögel auf dem Platz, aber wir wollen da noch mehr machen, durch Verbesserung der Brut- und Jagdmöglichkeiten.

Stichwort Umbau der A 2 – was ist alles geplant?
Die Strommasten mussten im Zuge der Energiewende umgebaut werden. Wegen der benötigten Kapazität mussten stärkere und höhere Masten aufgestellt werden. Die für den Mastbau verantwortliche Firma musste über das Fairway A2 zur Baustelle fahren und übernimmt daher die Renovierungskosten. Diese Gelegenheit haben wir genutzt, A2 zu modernisieren. Die Bunker wurden verändert. Insgesamt wird das Fairway geglättet und neu eingesät. Das geht aber erst ab 14 Grad Bodentemperatur. Ab Mitte des Jahres wird die Bahn wieder als Par 4 bespielbar sein. Bis dahin ist sie als Par 3 vermessen.
Die neuen Masten haben das Bild des Platzes verändert und wir müssen uns erst daran gewöhnen. Das gute ist, dass die Leitungen höher sind. Die A 8 hat nun gewonnen, weil der Mast weg ist.
Insgesamt stelle ich mir noch vielfältigere Spielmöglichkeiten vor. In Amerika gibt es auf vielen Plätzen sechs Abschläge, damit jeder Golfer leistungsgerecht Spaß haben kann. Ähnliches ist auch an der Pinnau in Vorbereitung. Davon verspreche ich mir eine weitere Aufwertung unseres Platzes. Im Detail will ich das auf der Mitgliederversammlung im Mai vorstellen.

Das ist viel Arbeit für das Platzpflege-Team, sie suchen auch noch eine Fachkraft.
Ja, das Greenkeeping-Team arbeitet oft an der Leistungsgrenze. Zwei Mitarbeiter sind ausgeschieden und nun kommt noch ein weiterer Ausfall hinzu. Wir suchen mindestens noch einen ausgebildeten Garten- und Landschaftsgärtner und ein bis zwei weitere Kräfte, die Mäh- und Pflegearbeiten übernehmen können.
Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft von Jörn Stratmann, die den Platz wirklich erstklassig in Schuss hält und auch viele bauliche Maßnahmen mit Bordmitteln durchführen kann.
Eine besondere Herausforderung für unser Team ist die Tatsache, dass es eine Pflanzenschutznovelle für die Garten- und Landwirtschaft gibt. Man darf praktisch keine Chemie mehr benutzen. Hier müssen wir uns neues Wissen und neue Methoden aneignen, um den Platz zum Beispiel gegen Pilzbefall zu schützen.

Kann man schon absehen, wie die Grüns den Winter überstehen?
Vor Weihnachten war es feucht, deshalb haben wir auf C etwas Pilz. Wir hoffen auf viele sonnige Tage im Frühjahr.
Wir mussten den Platz leider um Weihnachten und Neujahr für einige Tage sperren, um wegen der Nässe keine schweren Schäden auf dem Platz zu bekommen. Der Platz verträgt in dem Zustand einfach nicht die Belastung von 50 oder mehr Runden am Tag. Das entspricht nicht immer den Wünschen der Wintergolfer und wir können nur um Verständnis werben. Insgesamt war der Winter aber nicht so schlecht für den Platz.

Wann wird von Winter- auf Sommergrüns umgestellt?
Das ist ja in fast allen Clubs Anlass für Diskussionen. Manche Clubs, die im März schon umstellen, haben später ihre Schwierigkeiten. Die Graspflanzen können sich dann nicht ausreichend vom Winter erholen und im Juni hat man Schäden, die während der Zeit intensiver Nutzung nur schwer zu beheben sind. Wir warten lieber einige Wochen länger, sind vorsichtig. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Und wir haben gute Wintergrüns. Übrigens: Ich selbst spiele auch am liebsten auf Sommergrüns.

Das Interview führte Britta Körber