Interview mit unserem 1. Vorsitzenden Helmut Grafe

22.06.2015 | Nils Scheller | Kategorie(n): Club

Zur Person: Helmut Grafe ist 65 Jahre alt, nach vielen Jahren im Shell-Konzern nun selbstständig als Berater für ein amerikanisches Unternehmen im Lkw-Bereich. Er sieht sich selbst als Hobbyspieler (Handicap 16,8). Sein neues Ehrenamt ist für ihn dem früheren Job nicht unähnlich: “Das Führen eines Golfclubs mit einem Budget von 1,8 Millionen Euro und 16 Mitarbeitern ist wie ein kommerzielles Geschäft.”

1.600 Mitglieder empfinden einige Golfer als sehr viel – in Stoßzeiten wirkt der Platz An der Pinnau recht voll. Wie sehen Sie das?

“Es sind ziemlich genau 1.550 Mitglieder und sicherlich gibt es Zeiten, in denen es voll ist. Aber es gibt auch Zeiten mit gehörigem Leerlauf. Alle, die zeitlich flexibel sind, könnten ja auch etwas mehr in Randzeiten ausweichen. Unser Golfclub braucht die Beiträge, sonst müssten wir Abstriche machen. Wir wollen ein gemeinnütziger Verein bleiben und nicht teuer werden. Bis Ende Mai haben wir ein Plus von etwa 20 Eintritten (im Verhältnis zu Austritten) – das ist im Vergleich zu anderen Vereinen ein sehr positives Ergebnis. Die altersbedingte Ausscheidung müssen wir jedes Jahr kompensieren, deswegen werben wir weiter um neue Golfer.”

Welche Projekte wollen Sie in den nächsten zwei Jahren anstoßen?

“Ich bin mit der sportlichen und familiären Ausrichtung sehr zufrieden. Das Thema Zukunft Sport wollen wir in Angriff nehmen, d.h. wo sehen wir uns mittelfristig – es soll eigentlich ein Fünf-Jahresplan werden. Was können wir erreichen? Wir befassen uns Ende Juni in einem größeren Kreis inklusive Trainer und Mannschaften mit der Zukunft. Wir denken an mehr Trainingsmöglichkeiten für unsere vielen Spieler im Winter, angedacht sind weitere Abschlaghütten.”

In welche Richtung soll sich der Club entwickeln?

“Es gibt etliche Punkte, wo wir uns weiterentwickeln müssen. Das Thema Mannschaftssport vorantreiben, verstärkte Integration der Neumitglieder und langfristige Zukunftssicherung von Platz und Gebäuden. Unser Pachtvertrag läuft 2021 aus, wir wollen rechtzeitig eine langfristige Verlängerung vereinbaren. Zudem wollen wir die Attraktivität des Platzes verbessern. Und auch flexibler werden bei den Turnieren, viele Leute haben nicht mehr so viel Zeit. Unsere 9-Loch-Angebote freitags und sonntags ab 17 Uhr werden gut angenommen, wir schaun mal, wie wir das noch verbessern können. Die Kommunikation und Transparenz soll verbessert werden, die Mitglieder sollen erfahren, was für Ideen wir haben. Wenn es dann Kritik gibt, kann man diese im sechsköpfigen Präsidium berücksichtigen.”

Am 04. Juli ist wieder das große Sommerfest, das Sie im Vorjahr mit organisiert haben. Was planen sie dieses Mal?

“Es werden wieder drei 9-Loch-Turniere angeboten, für Kinder ist auch ein Rahmenprogramm geplant, und vorher ist ein Putt-Event für alle interessierten Mitglieder vorgesehen. Abends haben wir einen DJ, die Terrasse wird überdacht und gutes Essen gibt es auch. Im Vorjahr war das ein großer Erfolg. Am Vorabend spielen wir ein Moonlight-Turnier (22.30 Uhr Startzeit). Die Bahnen werden auf dem C-Platz mit Leuchtstäben markiert und gespielt wird mit Leuchtbällen – einer ist im Startgeld enthalten.»

Viele Gründungsmitglieder und ältere Golfer wundern sich über den Wandel an der Pinnau – abends wimmelt es von jüngeren Golfern. Ist der Mix der Generationen für Sie genau richtig oder fehlt Ihnen ein wenig der alten Etikette?

“Ich bin der Meinung, dass wir einen guten Mix aus Alt und Jung haben. Wir können die Zukunft erfolgreich gestalten, wenn wir jüngere Menschen gewinnen und diese durch viele unserer langjährigen Mitglieder integriert und unterstützt werden. Die Pinnau hat in zwei Bereichen eine ausgezeichnete Reputation: Das ist A die Qualität des Platzes und B unsere gute Jugendarbeit in der Region. Wir möchten in Zukunft unserer Mannschaft ein einheitliches Auftreten geben – so dass alle Pinnauer auch als solche erkannt werden. Dies soll die Mitglieder aber nichts kosten. Idealerweise würde ich mir wünschen, dass es private oder geschäftliche Unterstützer für die talentierten jungen Golfer gibt. Dann wären z.B. verstärkte Trainingscamps leichter zu finanzieren.”

Das Interview führte Britta Körber