Interview mit Magdalena Overmann

24.08.2017 | Nils Scheller | Kategorie(n): Club, Turniere

“Man kann sich nicht nur beschweren, man muss auch Verantwortung übernehmen.”

Magdalena Overmann wurde im Mai bei der Mitgliederversammlung zur Spielführerin des Golfclubs An der Pinnau gewählt. Die 43 Jahre alte Single-Handicaperin tritt die Nachfolge von Wolfgang Rabald an.

Was sie von ihm gelernt hat und was ihre Ziele für die zweijährige Amtszeit sind, erzählt sie im Interview.

B.K.: “Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die Regionalliga mit den Damen.”

M.O.: “Vielen Dank. Wir sind sehr stolz auf unseren Erfolg. Wir haben einen tollen Mannschaftsgeist, das macht unsere Truppe aus. Anders als sonst üblich im Golf – es ist eben nicht nur ein Einzelsport. Den Teamspirit hat unser Coach Thomas Becker reingebracht. Wir sind zum Beispiel vor den weiteren Auswärtsspielen schon einen Abend vorher angereist, das gibt ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl. Dann haben wir unsere Fingernägel grün lackiert und vor dem Abschlag “GO PINNAU” über die Anlagen geschmettert. Ich bin auch Wolfgang Rabald sehr dankbar, wie er uns unterstützt hat. Damengolf wird oft belächelt, aber er hat uns viel geholfen.”

B.K.: “Nicht alle Teams waren so erfolgreich wie ihr – die Herren waren in Haseldorf zum Schluss nicht so zufrieden.”

M.O.: “Bei ihnen war der Druck raus, da der Klassenerhalt schon gesichert war.  Sie haben mit uns gefeiert, das hat auch vor den anderen Clubs Eindruck gemacht. Die Pinnau nahm einen großen Teil der Terrasse ein. Ich bin ja für die sportliche Seite des Vereins zuständig und da hat mich auch sehr gefreut, dass die männliche AK 30 Vizemeister beim Final 8 geworden ist. Die Kapitäne Fabian Baack und Oliver Timm haben tolle Arbeit gemacht. Wir wollen uns natürlich alle weiterentwickeln und suchen auch Sponsoren für die 1. Damen und Herren.”

B.K.: “Du stehst als Spielführerin für den Sport im Club. Was sind deine Ziele?”

M.O.: “Viele Mitglieder wollten einen Wechsel, es ging nicht um besser oder schlechter. Ich wurde von vielen angesprochen, mich zur Verfügung zu stellen. Es ist viel Arbeit, aber es macht Spaß. Im Spielausschuss habe ich die letzten Jahre viel von Wolfgang gelernt, das ist mir eine große Hilfe. Ich habe Respekt vor seiner Arbeit – man kann es aber nicht jedem Recht machen, das merke ich jetzt auch. Ich lerne zu akzeptieren, dass man als Vorstandsmitglied nicht der Freund von jedem sein kann. Aber man kann sich nicht nur beschweren, man muss auch Verantwortung übernehmen. Und ich arbeite gern im Team.”

B.K.: “Es gibt die Befürchtung, dass Du viel mehr vorgabenwirksame Turniere einführen willst.”

M.O.: “Auf gar keinen Fall. Wir sind ein großer Club mit vielen Mitgliedern. Die meisten wollen ihre private Runde auch am Wochenende in Ruhe spielen. In diesem Jahr gab es einige Verbandsspiele, da müssen wir uns natürlich zur Verfügung stellen. Und es ist auch eine Ehre für uns, die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der AK 65 am 23./24. September auszurichten. Wir suchen noch nach Paten für die Teams und weiteren Helfern, um die Pinnau auch gastfreundlich darzustellen. Es ist eine Spieleinschränkung, aber auf einer 27-Loch-Anlage sind immer neun Löcher für private Runden geöffnet.”

B.K.: “Es gibt ganz neue Abschläge, was hälst du davon?”

M.O.: “Es ist eine Herausforderung, eine andere Farbe zu wählen. Wir Mädels spielen bei den Clubmeisterschaften zum Beispiel von BLAU – das ist nicht so leicht. Auf der A3 konnte ich erstmals das Gefühl der Männer verstehen – was mache ich nur mit diesem Baum? Aber ich kann nur allen Mitgliedern ans Herz legen, einmal etwas auszuprobieren. Bei den Herren wird dieses Mal bei den Meisterschaften von WEISS gespielt, bei den AK 30 ebenfalls von BLAU/WEISS. Die AK 50 Damen bleiben auf eigenen Wunsch bei ROT. Die Herren AK50  probieren beides aus. Wir sind ja flexibel. Wir würden uns auch freuen, wenn noch mehr Golfer an den Meisterschaften teilnehmen würden, es ist einfach das Clubevent des Jahres. Besonders wenn noch mehr Frauen mitmachen würden, wir haben doch viele gute Spielerinnen. Und wer nicht mitspielen mag, kann gern vorbeikommen. Schon bei den Heimspielen an der Pinnau, als einige Zuschauer da waren, hatte wir Spieler einfach das Gefühl, wir können Golf spielen!”

B.K.: “Was hälst du von der neuen Academy?”

M.O.: “Das Projekt hat großen Zulauf, auch von außerhalb. Es ist eine tolle Werbung für die Pinnau, denn es ist in der Umgebung einzigartig. Die Idee von Bernd Ende, der die Academy auf den Weg brachte, finde ich großartig. Das hat den Club weit nach vorn gebracht. So eine breit angelegte Kursvielfalt kann bei uns ganz anders umgesetzt werden als z. B. bei einer Betreibergesellschaft. Auch die Trainer ziehen alle an einem Strang. Wir könnten noch etwas mehr Werbung dafür machen. Gut finde ich, dass es auch Kurse nur für Ladies gibt. Wir spielen eben doch anders Golf.”

B.K.: “Was planst du oder auch der Spielausschuss für die nächste Saison?”

M.O.: “Wir werden den Kalender etwas umstellen. So wird zum Beispiel ein Turnier wie Early Bird gut angenommen, das könnte öfter stattfinden. Und wir gucken uns an, wann nicht viel los ist auf dem Platz und schauen, ob wir da Turniere hinlegen können. Grundsätzlich verstehe ich, dass nicht so viele Golfer den Stress der vorgabenwirksamen Wettspiele haben wollen. Auch ich verschlechtere mich andauernd, aber dann kommt dieses eine Turnier, bei dem es wieder bergauf geht. Besonders bei den Ladies finde ich es schade, dass einige den Druck scheuen. Aber ich kann es verstehen – wir spielen ja alle, damit wir uns verbessern.”

B.K.: “Du bist ziemlich oft auf der Anlage präsent, wie machst du das bei einem Lufthansa-Job und einer Familie mit zwei Kindern?”

M.O.: “Ich arbeite nur in Teilzeit, die erfülle ich mit zwei Fernflügen im Monat. Da bin ich acht Tage unterwegs. Eigentlich habe ich mehr Zeit als früher, als ich noch am Flughafen gearbeitet habe. Im Durchschnitt bin ich etwa vier Tage die Woche auf der Anlage. Ich mag den Umgang hier, auch im Vorstand, da wird sehr respektvoll miteinander umgegangen, auch wenn es unterschiedliche Meinungen gibt. Das ist mir sehr wichtig, denn es ist immerhin ein Ehrenamt in der Freizeit. Ich freue mich auch, wenn mich Golfer ansprechen. Und wir haben ja auch seit zwei Jahren einen Mitgliederrat, der dem Vorstand berichtet. Ich glaube, wir sind da auf einem sehr guten Weg.”

B.K.: “Was kannst du neuen Mitgliedern empfehlen, wie sie einen guten Einstieg in den Club finden?”

M.O.: “Das 9-Loch-Turnier am Freitag ist ein guter Einstieg, um Leute kennenzulernen. Auch in der Academy werden Kurse für alle Handicap-Klassen angeboten. Zudem sind Tiger-und-Rabbit-Turniere angedacht. Bei uns passiert viel und wir müssen noch mehr davon kommunizieren. Wir freuen uns, wenn noch mehr Mitglieder auf uns zukommen. Wir lieben doch alle Golf.”

Das Gespräch führte Britta Körber