Erste weibliche Doppelspitze – die Herzensangelegenheit der Brigitta Wurnig

18.09.2020 | Daniel Schlüter | Kategorie(n): Club

Seit dem 27. August hat der Golfclub an der Pinnau eine weibliche Doppelspitze – ein Novum in Hamburg und Umgebung. Brigitta Wurnig als 1. Vorsitzende und Spielführerin Magdalena Overmann als Stellvertreterin wollen den Verein in schwierigen Zeiten in eine neue Ära führen – vor allem gemeinsam mit den Mitgliedern. Brigitta Wurnig ist es eine Herzensangelegenheit, denn zu viel Zeit hat die umtriebige Unternehmerin eigentlich nicht. Mit Handicap 16 trifft man die 59-Jährige oft auf dem Platz, auch bei Turnieren und am liebsten beim Ryder Cup der Pinnau, den sie ins Leben gerufen hat.

 

Wie kam die Idee zur Kandidatur?

Wurnig: Ich bin seit 2019 im Mitgliederrat. Am 3. März berichtete mein Vorgänger Helmut Grafe bei der gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand, dass er aufhören will. Da kam die Idee auf, dass auch eine Frau kandidieren könnte. Ich bin dann von so vielen ermuntert worden, zu kandidieren, weil ich strukturiert denke und viel in dem Bereich Coaching mit Menschenführung gearbeitet habe. Mein Mitstreiter Alex Schütt sagte spontan zu, Obmann für den Platz als Nachfolger von Erik Ballauf, zu werden. Als neues Team haben wir uns erstmal kennengelernt, ich konnte mir das mit Maggie (Magdalena Overmann), Klaus Günther (Finanzen), Jens Lorentz (Jugend) und Fränkie Schultz (Haus und Hof) gut vorstellen. Wir starten in eine neue Ära, das wollen auch die Mitglieder. Mir ist der Auftrag sehr bewusst. Für mich ist das fast ein Zweitjob. Das gute ist, dass alle im Vorstand richtig Lust haben.

 

Viele Mitglieder kennen Sie über den Ryder Cup, wie kam das Engagement?

Wurnig: Ja gemeinsam mit Christoph Schiemann, Mary Dietrich und Georg Opgenoorth haben wir ihn 2016 ins Leben gerufen. Beruflich war ich 15 Jahre in München und in meinem damaligen Club München-West Odelzhausen gab es so ein schönes Format. Wir waren überrascht, wir hatten hier gleich im ersten Jahr ein fast volles Teilnehmerfeld. Dafür hatten wir überall Werbung gemacht mit Plakaten und Mund-zu-Mund-Propaganda. Es treten zwei Mannschaften an, eine Gruppe, die westlich der A7 wohnt, die andere östlich – das kommt jedes Jahr in etwa hin und macht enorm viel Spaß. Am ersten Tag sind die Anmeldelisten voll, die Leute stellen sich schon den Wecker. Der älteste Spieler war dieses Jahr 79 Jahre alt, die jüngste 16 – damit erreichen wir alle Generationen an der Pinnau. Im nächsten Jahr übergeben wir die Organisation in jüngere Hände, Team West leiten Captain Thomas Falter und Maggie Overmann, Team Ost organisieren Melanie Neumann und Gerd Reimers.

 

Beruflich sind Sie als Change-Managerin und Coach tätig, was ist das genau und was können Sie davon im Club einbringen?

Wurnig: Ich begleite Veränderungsprozesse in Firmen und unterstütze Führungskräfte und ihre Teams. Diese Erfahrungen, wie man Veränderungsprozesse aufsetzt und steuert, das ist das, was ich hier einbringen kann. Die Golfclubs verändern sich durch den Markt und zuletzt besonders durch Corona. Wir wollen bei Veränderungen die Mitglieder mitnehmen, was bei solchen Prozessen wichtig ist, damit sie nachhaltig gelingen. Deshalb haben wir verstärkt Umfragen eingesetzt, wie zu den Stärken und Schwächen des Clubs. Am 21. September wird es dazu eine Zoom-Konferenz geben, bei der Mitglieder Anregungen und Ideen loswerden können. Als Coach kommuniziere ich mit vielen unterschiedlichen Menschen und baue vertrauensvolle Beziehungen auf, das würde ich hier auch gern.

 

Sie sind einstimmig nach einer mitreißenden Rede bei der Mitgliederversammlung gewählt worden. Was sind Ihre Ziele für die nächsten zwei Jahre?

Wurnig: Wir haben aktuell circa 1350 Mitglieder und wollen viele neue Golfinteressierte ansprechen sowie viel für unsere bestehenden Mitglieder tun, damit sie sich auch weiterhin im Club so wohlfühlen. Ich bringe eine Marketingexpertise aus meinem Job als Unternehmerin mit und werde mit dem Vorstand schon in diesem Jahr unser Konzept und konkrete Aktionen wie den Tag der offenen Tür am 27. September mit dem Turnier für Neumitglieder umsetzen. Im Oktober bieten wir nochmal Platzreifekurse an. Unser Ehrenpräsident ist so überzeugt von dem Konzept, dass er uns voll unterstützt. Als Profis haben wir eine Marketingagentur – Jens Hannemann Marketing und Medien aus Eckernförde – engagiert.

 

Was sollen sie machen?

Wurnig: Sie hat viel Expertise im Golfmarketing, arbeiten mit einigen Clubs zusammen. Sie sollen eine neue Webseite gestalten und uns online vermarkten, dazu gehören vor allem heutzutage die sozialen Kanäle. Wir werden auch die Pressearbeit forcieren. Und wir müssen noch digitaler werden. So merken wir, dass unsere Umfragen zum Beispiel zu den Startzeiten sehr gut angenommen werden, auch die Älteren machen verstärkt mit. Das finden wir supergut. Greenfees müssten auch online gebucht werden können.

 

Mitgliederbindung – wie geht das am besten?

Wurnig: Das ist mir total wichtig, wir müssen an der Pinnau unser vorhandenes Wir-Gefühl weiter stärken, denn das macht ja unseren Club aus. Ein wichtiges Instrument bleiben die Mitgliedernews, wir haben total positive Resonanz. Es ist viel Arbeit, aber macht Spaß und es lohnt sich, weil es so dankbar aufgenommen wir. Das trägt zur Gemeinschaft bei. Wir wollen transparent sein. Und die Arbeit unserer Ehrenamtlichen noch mehr wertschätzen, es sichtbar machen, was sie tun. Viele arbeiten im Verborgenen, das können wir im Newsletter vorstellen. Wir mussten einige Veränderungen vornehmen und bauen jetzt auf dem neuen Fundament.  Die Mitglieder honorieren das. Man gewinnt nur im Team, davon bin ich als Teamplayerin überzeugt.

Das Interview führte Britta Körber