Was machen eigentlich unsere Greenkeeper den ganzen Tag?

Und täglich ruft der Mäher….

Zugegeben. Ich bin bekennender Traktoren-Fan. Ich genieße es einfach, auf dem großen, grünen John Deere Schlepper zu sitzen und meine Mäh-Bahnen durchs Rough zu ziehen. Seit gut drei Jahren helfe ich jetzt ehrenamtlich im Greenkeeping-Team bei uns an der Pinnau. Täglich lerne ich dazu. Nie hätte ich gedacht, wie groß das Spektrum der nötigen Tätigkeiten ist, um unseren Platz in einem so hervorragenden Zustand zu halten.

Gartenarbeit XXXXL. Hätten Sie Lust, jeden (!) Morgen bei jedem Wetter den Rasen von rund vier Fußballplätzen zu mähen ? Das allein ist nämlich die Fläche unserer insgesamt 33 Grüns. Wenn wir als Golfer vormittags aufteeen, hat die Crew von Headgreenkeeper Jörn Stratmann schon einen halben Arbeitstag hinter sich. Morgens um 06.00 Uhr geht es los. Jedes Grün wird gemäht, täglich werden alle 27 Löcher komplett neu gesetzt. Die Mülleimer müssen geleert, die Ballwascher kontrolliert und die Bunker zeitintensiv geharkt werden. Auf der Range gilt es, die Rasenabschläge zu versetzen, die Saatgutkannen aufzufüllen und Divots aufzusaugen. Das alles bekommen wir in der Regel gar nicht mit, wenn wir an die Pinnau kommen. Wahr nehmen wir meist nur die großen roten Mähmaschinen, die drei mal pro Woche ihre exakten Muster in die Fairways zeichnen. Für die Greenkeeper wäre es schon eine große Hilfe, wenn sich alle an die (kurzen) Pflegefenster halten würden ! Denn die Jungs müssen in Ruhe arbeiten können. Noch etwas: Wenn es mal zu einem Kontakt Golfer/Greenkeeper kommt, kann man auch mal fröhlich winken, oder sich sogar für die gute Arbeit bedanken…

Weiter geht’s. Wenn wir Golfer auf A oder B unter den Bäumen unsere Bälle wiederfinden, dann liegt das daran, das wöchentlich auch der Secondcut in diesen Bereichen gemäht wird. Auch auf den Abschlägen wächst das Gras munter vor sich hin. Vor jedem Mähen müssen auf jedem der in Summe 75 (!!!) Abschläge die Teemarker herausgenommen und nach dem Grasschnitt wieder eingesetzt werden. Da ist es wirklich nicht zu viel verlangt, wenn jeder (!) von uns Golfern die abgebrochenen Tees einsammelt und in die Blechtrichter wirft (ganz zu Schweigen davon, dass liegengelassene Tees Gift sind für die superscharfen Mähspindeln). Die exakten Konturen im Übergang vom Fairway zum Firstcut oder vom Vorgrün zum Grün entstehen übrigens auch nicht von selbst, auch hier wird mehrmals in der Woche gemäht. Auf 27 Spielbahnen ! Und ganz „nebenbei“ wird auch noch der Übungsplatz zwischen A5 und B3 in Schuss gehalten…

Rund 60 Hektar Fläche unseres Platzes sind Rough (20 Hektar sind Wasser). Auch wenn es uns Golfer mal nervt, das Rough ist wichtig für das ökologische Gleichgewicht. Da kreuchen und fleuchen diverse Insekten und das sollen sie auch. Nicht umsonst gibt es diverse Auflagen für das Greenkeeping. Auf dem C Platz dürfen wir nur einmal im Jahr und auch nur in genau definierten Bereichen das Rough abmähen. Golf ist ein Natursport. Wer mit seinem Ball nicht das Fairway trifft, muss sich halt auch mal von einem Ball trennen (Ich weiß wovon ich rede…)

All die Mäharbeiten sind quasi das täglich Brot des motivierten Teams der Greenkeeper. Um überhaupt die gigantischen Flächen so oft wie an der Pinnau pflegen zu können, brauchen wir zum Beispiel verschiedene Mähmaschinen, die mit Sichel- oder Spindelmessern ausgestattet sind und auf die von uns Golfern gewünschten verschiedenen Höhen eingestellt sind. Der für einen 27-Loch Platz unerlässliche Fuhr- und Maschinenpark umfasst bei uns große und kleine Mäher, Traktoren, Spezialanhänger, diverse Anbaugeräte und Handwerkzeuge. Für die Pflege und Wartung der Maschinen braucht es natürlich ein Team von Mechanikern. Schön wärs... An der Pinnau übernehmen all diese Arbeiten auch die Greenkeeper ! Da müssen jede Menge Mähspindeln- und Messer professionell geschärft werden. Inspektionen und Ölwechsel stehen an, täglich müssen die Lager der Anbaugeräte gefettet werden und verschlissene Teile ausgetauscht werden. Um Geld zu sparen, werden alle nicht mehr einsatzfähigen Geräte ausgeschlachtet und brauchbare Teile wieder verwendet. Der ganz normale Wahnsinn….

Daneben stehen die Arbeiten an, die wir Golfer gern als selbstverständlich ansehen: Die Wege müssen instandgehalten werden, Teiche und Böschungen wollen bearbeitet werden, die Bunkerkanten müssen freigeschnitten werden und die Beete und Pflanzen gedeihen auch nicht ohne Pflege.

Montags sind abwechselnd die Plätze A, B oder C übrigens nicht gesperrt, weil sie geschont werden sollen, sondern weil die Grüns dann intensiv gepflegt werden. Aerifizieren, Sanden, den Sand einbürsten und Walzen – aufwändige Arbeiten, die sicherstellen, dass unsere Grüns gesund sind.

All diese Jobs gehören zum planbaren Arbeitsaufwand unserer Greenkeeper. Heftig wird es, wenn – wie nicht selten – unsere in die Tage gekommene Bewässerungsanlage ihren Dienst quittiert. Dann muss nebenbei noch geschaufelt und gebaggert werden, bis die Schadensstelle gefunden und repariert ist…

Noch Fragen ? Sehr gern ! Wenn Ihr unsere Greenkeeper trefft, sprecht sie einfach an. Und wie gesagt – ein kleines Dankeschön darf es auch mal sein.

Mathias "Matze" Steiner

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